„Freiheit war für mich alles“


Am 21.05.2026 besuchte die ehemalige politische Gefangene des Frauenzuchthauses Hoheneck der DDR, Elke Schlegel, auf Einladung von Frau Hövelmann und Herrn Gast die zehnten Klassen des Eichendorff-Gymnasiums und erzählte von ihren Erfahrungen.

Sie berichtete uns sehr ausführlich von ihrem Leben und ihren Beweggründen, sich gegen die DDR zu wehren. Geboren wurde sie 1958 in Jena und hatte nach eigener Aussage eine verhältnismäßig gute Kindheit. Frau Schlegel ging bis zur zehnten Klasse zur Schule und wollte danach Flugbegleiterin werden, um die Welt zu sehen und Freiheit zu erleben. Die Deutsche Demokratische Republik verbot ihr das allerdings und so wurde sie Kellnerin und machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. 1981 bekam sie gemeinsam mit ihrem heutigen Ehemann einen Sohn. Die beiden wehrten sich sehr gegen die Richtlinien und Normen der DDR und ließen sich nicht einschüchtern. Beispielsweise heirateten sie nicht, um sich nicht beim Staat (durch den Ehekredit) zu verschulden. Außerdem schlossen sie sich mehreren friedlichen Protestgruppen und -aktionen an (z.B. standen sie mit weißen Kerzen auf einem Weihnachtsmarkt und wurden dafür verhaftet – vom eigenen Bruder) und stellten einen Ausreiseantrag für sich und ihren Sohn. Dadurch wurden sie zu Staatsfeinden und das Regime ließ sie das beispielsweise durch Misshandlungen des Sohnes in der Kinderbetreuung spüren.

Kurz vor der – nach mehreren Versuchen – genehmigten Ausreise, wurden Frau Schlegel und ihr Freund (zu dem Zeitpunkt 26 Jahre alt) um 5:30 morgens geweckt und ohne für sie erkennbaren Grund verhaftet. Im Wissen, ihr Kind vielleicht nie wieder zu sehen, durften sie ihren Sohn noch zur Großmutter bringen und wurden getrennt voneinander zum Verhör gebracht. Dort wurden sie bis zum körperlichen und psychischen Zusammenbruch über mehrere Stunden gedemütigt, gefoltert und erpresst, um ein Geständnis zu erhalten. Letztlich unterschrieb sie unschuldig ein Geständnis. Danach kam sie ins Frauenzuchthaus Hoheneck, wo sie abermals, auch von ihren Mitinsassen, gedemütigt und auch vergewaltigt wurde. Sie schloss sich mit einer anderen Mitgefangenen zusammen und sang Lieder, wodurch die anderen Mitinsassen von ihr abließen. Auch Wasserzellen, in denen sie in Wasser gefangen war, musste sie neben der Zwangsarbeit im Gefängnis über sich ergehen lassen. Ohne ihre Familie durfte sie nach „5 Monaten und 24 Tagen“ in die Bundesrepublik einreisen. Die Einreise, die ohne ihre Familie erfolgte, beschrieb sie folgendermaßen: Der Tag, der einer ihrer glücklichsten hätte sein sollen, „war mein traurigster Tag, aber ich war frei.“

Die geschilderten Erlebnisse, zu denen Frau Schlegel zahlreiches Anschauungsmaterial mitbrachte, konnte sie bis heute nicht ganz verarbeiten und sie leidet noch Jahrzehnte nach ihrer Haft unter deren Folgen. Ihre Geschichte, die sie als Biografie niedergeschrieben hat, erzählt sie heute an Schulen, um beizutragen, dass es so eine Diktatur nie wieder gibt.

Für uns Zuhörer war diese Geschichte sehr beeindruckend und es herrschte eine sehr bedrückende Stimmung, welche viele von uns zum Nachdenken angeregt hat. Wir möchten uns noch einmal herzlich für diesen beeindruckenden und wichtigen Besuch bedanken.