Der UN-Sicherheitsrat tagt - Mitten im Klassenzimmer


Am Montag, dem 24. August 2026, tagte der UN-Sicherheitsrat bereits am frühen Morgen in Raum 215 des Eichendorff-Gymnasiums. Auf der Tagesordnung: Der Syrien-Konflikt, der sich Anfang der 2010er-Jahre zunehmend zuspitzte. Ganz real war die Sitzung allerdings nicht – vielmehr schlüpften Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Planspiels in die Rollen internationaler Akteure.

Zu Gast war der Sozialkunde-Intensivkurs des Max-von-Laue-Gymnasiums mit neun Schülerinnen und Schülern. Gemeinsam mit dem 20-köpfigen Sozialkunde-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13 des Eichendorff-Gymnasiums nahmen sie an einer Simulation internationaler Politik teil, die von Kapitänleutnant Florian Roth geleitet wurde.

Inhaltlich knüpfte das Planspiel unmittelbar an das landesweite Unterrichtsthema der Jahrgangsstufe 13/1 an: Internationale Politik. Im Mittelpunkt stand der Konflikt in und um Syrien und damit die Frage, wie die verschiedenen internationalen Akteure auf die Krise reagieren und welche politischen und diplomatischen Schritte sie zu ihrer Lösung unternehmen könnten. Dabei übernahmen die Schülerinnen und Schüler die Rollen unterschiedlicher Staaten – von Deutschland über die Großmächte und westlichen Staaten bis hin zu Syriens direkten Nachbarländern wie dem Libanon. Die jeweiligen Nationen wurden durch einen Verteidigungsminister beziehungsweise eine Verteidigungsministerin sowie ein Staatsoberhaupt vertreten. So entstand eine möglichst realitätsnahe Simulation, in der politische Interessen aufeinandertrafen, Verhandlungen geführt und Entscheidungen getroffen werden mussten. Auch die Vereinten Nationen selbst waren vertreten: Als UN-Generalsekretärin und UN-Generalsekretär fungierten Viliana Baulin vom Max-von-Laue-Gymnasium und Jonathan Werle vom Eichendorff-Gymnasium. Eine besondere Rolle spielte zudem die Weltpresse. Drei Schülerinnen und Schüler begleiteten das Planspiel journalistisch, führten Interviews mit den Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Staaten, beobachteten die Verhandlungen und berichteten über die Entwicklungen. Die gesammelten Informationen wurden während der Simulation über den Instagram-Account @weltpresse_international mit der Öffentlichkeit geteilt.

Damit wurde der Klassenraum für einen Vormittag zur internationalen Bühne: Diplomatie, politische Interessen, Verhandlungen und die Suche nach gemeinsamen Lösungen standen nicht nur auf dem Lehrplan, sondern wurden unmittelbar selbst erlebt.

Das Planspiel bot jedoch nicht nur einen Einblick in die Arbeit internationaler Organisationen, sondern stellte auch die Schülerinnen und Schüler selbst vor verschiedene Herausforderungen. Durch das Verfassen und Vortragen eigener Kurzreden wurde geübt, komplexe und zuvor erarbeitete Informationen prägnant zusammenzufassen und verständlich zu vermitteln. Gleichzeitig konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fähigkeiten im freien Sprechen und Diskutieren vor einer größeren Gruppe weiterentwickeln. Besonders während der simulierten UN-Generalversammlung war zudem schnelles und kritisches Denken gefragt. Fragen der Weltpresse, des Plenums oder von Kapitänleutnant Florian Roth mussten spontan beantwortet und in die eigene Argumentation eingebunden werden. Eine besondere Herausforderung stellte dabei der Perspektivwechsel dar. Welche Nation von den einzelnen Schülerinnen und Schülern vertreten wurde, entschied das Los. Dadurch konnte es durchaus vorkommen, dass die politische Position des zu vertretenden Staates deutlich von der eigenen persönlichen Meinung abwich. Trotzdem mussten die jeweiligen Positionen überzeugend vertreten und in die Diskussion eingebracht werden. Das Planspiel verlangte somit nicht nur politisches Wissen, sondern auch die Fähigkeit, andere Sichtweisen nachzuvollziehen und sachlich zu vertreten.

Neben den praktischen Erfahrungen vermittelte das Planspiel auch einen umfassenderen Einblick in die Strukturen und Arbeitsweisen der Vereinten Nationen und insbesondere des UN-Sicherheitsrates. Bereits die Einführung in den Syrien-Konflikt und die anschließende Einarbeitungsphase schufen eine wichtige Grundlage für die Simulation. Vor allem die abschließende Reflexion ermöglichte es den Schülerinnen und Schülern, die während des Planspiels gesammelten Eindrücke einzuordnen und die politischen Zusammenhänge des Konflikts noch einmal aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Dadurch entstand ein deutlich umfassenderes Verständnis für die Entwicklungen im Nahen Osten und die Rolle der internationalen Staatengemeinschaft. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden zugleich eine wertvolle Grundlage für die kommenden Unterrichtseinheiten im Schwerpunktbereich Internationale Politik – sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die weitere gemeinsame Arbeit im Unterricht.